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Andacht Ein Traum

Ein Traum

Es ist mitten in der Nacht, als ich merke, ich bin ja wach. Komisch, denke ich, wo war ich denn gerade? Und langsam kommen die Bilder von meinem Traum zurück. Ich habe im Traum meine schon vor langer Zeit verstorbene Mutter gesehen. Und sie hat vom Himmel auf mich herab geschaut. Ich kann mich genau an ihr Gesicht erinnern, sie hat gelächelt. Dieses Mutterlächeln, ein klein wenig besorgt aber auch voller Zuversicht, und sie hat gesagt: „Ich passe auf dich auf!" Und da liege ich mitten in der Nacht in meinem Bett und bin so dankbar!
Heute fällt mir dieser Traum wieder ein, an der Schwelle zum neuen Jahr, über dem die Jahreslosung aus dem Jesaja-Buch steht: „Ich will euch trösten, wie einen seine Mutter tröstet" (Jesaja 66, 13).
Gehen wir getrost in dieses neue Jahr? Getröstet und tröstend? Oder überlassen wir uns den Ängsten, die sich am Zukunftshimmel zusammenbrauen?
Ich weiß, es ist nicht leicht, das Trösten! Wenn mich jemand trösten will und kommt mir dabei zu nahe und will mir noch gute, liebevoll gemeinte Ratschläge mit auf den Weg geben, wehre ich erst mal alles ab. Ich bin nicht trostlos, nur weil ich traurig bin, oder weil mich manchmal die Verzweiflung überkommt. Im tiefen Innern bleibt mir das leicht besorgte Zuversichtliche meiner Mutter erhalten, mit dem sie mich anschaut, auch wenn sie schon vor vielen Jahren gestorben ist. Sehe ich dahinter, hinter dem Gesicht meiner Mutter die Gotteskraft? Ist sie es, die mir da aus ihren Augenwinkeln zuwinkt? Die Kraft, die wir die Liebe nennen?
Jesaja hat das Bild der Mutter gewählt, weil es bei fast allen Menschen mit diesem liebevollen Blick verknüpft ist. Aber wenn es das nicht ist, wenn dieser Blick am Lebensanfang gefehlt hat, oder auch in späteren Jahren nicht mit dieser liebevollen Zuversicht erfüllt war, dann helfen die Worte des Jesaja nicht weiter. Dann braucht es einen anderen Blick. Einen tröstenden Blick, ein Bild, in dem ich die Liebe spüren kann, mit der Gott mich umgeben will. Ein Bild, in dem wir Sicherheit und Geborgenheit erleben, einen Raum, der uns dieses Gefühl schenkt, der Kirchenraum? Eine Landschaft, einen Menschen? Bilder in denen der Trost wohnt, damit ich getrost in das neue Jahr hinein gehe.
„Ich will euch trösten, wie einen seine Mutter tröstet"!
Ihre
Friederike Weltzien

Letzte Änderung amFreitag, 08 Januar 2016 12:20
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