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Wir haben alles

Wir haben alles k13081w„Wir haben alles, was Sie brauchen.
Was wir nicht haben, brauchen Sie nicht!"

Entdeckt habe ich diesen Werbeslogan bei einem Kurzurlaub in Ravensburg. Für den letzten Tag hatten mein Patenkind und ich uns das Technik- und Wirtschaftsmuseum vorgenommen. Zuviel haben wir nicht erwartet. Umso mehr waren wir freudig überrascht, Handwerksbetriebe der Region ganz anschaulich ausgestellt zu finden.

 


An einer Wand des Museums stand in rosa leuchtender Schrift der Werbeslogan eines kleinen Kaufhauses aus der Region. Ich musste unwillkürlich lachen. Im Zeitalter von Internet und Globalisierung kann ich innerhalb weniger Tage die tollsten Dinge aus der ganzen Welt bestellen. Ich habe diese große Freiheit. Dieses kleine Kaufhaus hatte ein begrenztes Sortiment. Mit großem Selbstbewusstsein sagte es seinen Kunden, dass das reicht.

Was reicht uns? Was meinen wir nicht alles zu brauchen? Sind Sie in letzter Zeit einmal umgezogen? Wenn nicht, dann schauen Sie sich mal alles an, was Sie haben und fragen sich: Brauche ich das wirklich?

In Berlin-Hellersdorf kamen Familien aus Syrien an. Sie haben ihr Leben und ein paar Habseligkeiten auf dem Rücken mitgebracht. Eine verängstigte und engstirnige Nachbarin des zum Asylbewerberheim umfunktionierten Gymnasiums fragt, warum die Leute so viel dabei hätten? Da bleibt mir die Spucke weg.

Im Volksmund ist die Rede von „frommen Sprüchen". Gemeint ist, dass Menschen mit Bibelsprüchen oder Glaubenssätzen in Not geratene Menschen abspeisen und nicht wirklich Anteil nehmen oder helfen.

Irgendwie lässt mich der Gedanke nicht los, dass dieser Werbeslogan vom Brauchen ein echter hilfreicher frommer Spruch sein könnte. Er bringt uns zum Nachdenken. Haben wir nicht alles, was wir brauchen im Überfluss? Was haben die Menschen, die aus Kriegsgebieten zu uns kommen? Dabei geht es nicht nur ums Materielle. Alle Menschen brauchen Anerkennung, Zuwendung, Liebe, Trost und neue Perspektiven.
Wer weiß, vielleicht steht das an der Himmelstüre: „Wir haben alles, was Sie brauchen. Was wir nicht haben, brauchen Sie nicht."

Monatsspruch für Oktober:
Vergesst nicht, Gutes zu tun und mit anderen zu teilen, denn an solchen Opfern hat Gott Gefallen. Hebräer 13,16

Monatsspruch für November:
Siehe, das Reich Gottes ist mitten unter uns. Lukas 17,21

Es grüßt Sie herzlich
Ihre Pfarrerin Margarete Goth

 

 

Letzte Änderung amFreitag, 13 Mai 2016 10:15