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Andacht: Vom Segen des Flüchtlings-Kindes

Vom Segen des Flüchtlings-Kindes

a49739cv2Wir bereiten uns in diesen Tagen auf Weihnachten vor: Versuchen, dem in unseren Herzen den Weg zu bereiten, zu dessen Geburt sich die Engel „Friede auf Erden" wünschten. Doch für dieses Kind war kein Friede zu haben. Schnell musste sich die junge Familie im Ausland in Sicherheit bringen. (Mt. 2,13) So wie es in diesen Tagen so viele Menschen versuchen. Nur von wenigen erfahren wir etwas und nur ein winzig kleiner Prozentsatz erreicht Deutschland.

Doch diese Flüchtenden machen uns großes Kopfzerbrechen und erfordern „Flüchtlingsgipfel". Dabei hat Ministerpräsident Kretschmann den bemerkenswerten Satz gesagt: „Das Boot ist nie voll." Dieser Satz klingt nicht erstaunlich, wenn man ihn mit den Zahlen der Asylbewerber in Bezug setzt, die Deutschland pro tausend Einwohner aufnimmt: 1,5. In Schweden sind dies 5,7 im Libanon 250. Es ist also noch viel Platz in unserem Boot. Erfreulich viele Menschen haben dies auch verstanden und engagieren sich mit großem Elan in Initiativen, die die Flüchtlinge empfangen und begleiten wollen. Sie werden erleben, dass die Begegnung mit den Asylanten nicht nur eine Herausforderung ist, sondern vor allem eine große Chance.

 

Der Psychotherapeut Dietrich F. Koch bringt es auf den Punkt: „Flüchtlinge geben uns die Chance, wieder ein höheres Maß an Menschlichkeit zu erreichen. Wir sollten sie nutzen." Damit erinnert er uns daran, dass Mit-Menschlichkeit gefördert werden muss. Vom Kleinkind- bis ins Rentenalter. In jedem Lehrplan tauchen inzwischen auch „soziale Kompetenzen" auf. Doch wenn es um Schulabschlüsse geht, spielen diese keine Rolle mehr. Im Gegenteil: wer sich ganz und gar auf die eigene Schulkarriere konzentriert und sich keine Zeit für ein Engagement in Kirche und Vereinen nimmt, könnte am Ende die besseren Noten und damit Berufschancen haben. Mit der neuen Nachtschichtreihe zum Thema Bildung wollen wir deshalb unter anderem danach fragen, wie menschlich unser Bildungssystem ist und wie weit unsere Schulbildung auch die Menschlichkeit bildet.

 

Gott ist Mensch geworden, damit wir lernen und erfassen können, zu welcher Menschlichkeit wir berufen sind. So wurde das göttliche Flüchtlingskind nicht nur den Gastfreunden in Ägypten zum Segen. In seinem Namen sollten wir uns auf alle freuen, die unter Lebensgefahr unser Land erreichen und danach fragen, wie sie jeden von uns weiter-bilden und ihm / ihr so zum Segen werden können. Lasst uns das Flüchtlingskind Jesus aus Nazareth mit Freuden in unseren Herzen empfangen und seine fliehenden Geschwister in unserem Land – auf dass wir menschlicher werden.

Wie schön, dass wir Ihnen mit dem Gottesdienst am 2. Feiertag in Obertürkheim ein besonderes Angebot machen können, dies ganz konkret zu erleben, wie es viele bei dem bewegenden Gottesdienst am 28. September in Uhlbach schon gemacht haben. Frohe Weihnachten mit schönen Begegnungen im Familienkreis, der Gemeinde und darüber hinaus wünscht,

Pfarrer Ralf Vogel

Letzte Änderung amDienstag, 03 Mai 2016 16:40