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Andacht März-April 2016

Gedanken zu Karfreitag und Ostern
Eigentlich möchte ich mir dieses Bild gar nicht anschauen - zumindest nicht die eine Hälfte. Beide Bilder zeigen ein und dasselbe Kreuz. Die beiden Seiten unterscheiden sich aber sehr. Zeitlich gesehen könnte man sagen: die eine bildet mehr den Karfreitag ab, die andere den Ostersonntag. Das sind die zwei Seiten einer Medaille, die eine kann ohne die andere nicht existieren. Der Karfreitag hätte ohne den Ostersonntag keine Bedeutung erlangt, der Ostersonntag wäre ohne den Karfreitag schlicht unmöglich.
„Kann man so etwas zeigen auf unserem schönen Gemeindeblättle?" habe ich mich zugegebenermaßen gefragt. Darauf die mehr oder weniger klare Gegenfrage: „Warum denn nicht?" Eigentlich eine gute Frage. Was stößt uns eigentlich so ab an diesem und auch an vielen anderen schlimmen Bildern. Steckt da mehr dahinter?
So ein Bild ist immer auch ein Stück weit Anklage und regt zum Nachdenken an. Wir sind betroffen, wenn wir beispielsweise ein stark unterernährtes Kind sehen - betroffen im doppelten Wortsinn. Denn so ein Bild schreit uns Fragen entgegen, spricht uns direkt an: „Hättest Du nicht etwas (mehr) tun können? Trägst Du nicht auch Mitverantwortung, Mitschuld?" Auch die Kreuzigung ist im Grunde ja nur ein Manifest der hässlichsten Seite des Menschen. Sie ist untrennbar verbunden mit Unterdrückung, Hass, Gewalt und Verrat.
Was wir dabei gerne vergessen: die Kreuzigung ist genauso untrennbar verbunden mit der Auferstehung. Dieses Wunder, diese Freude wird nur sichtbar durch das vorausgegangene Leid. Denn Gott lässt Jesus nicht einfach sterben und schickt einen neuen Sohn „ins Rennen". Die Kraft dieser Szene liegt nicht in einem erneuten Versuch, sondern in einem Sieg.
Und dieser Sieg ist nicht nur über Hass oder Gewalt. Es ist ein Sieg über den Tod, ein Sieg für das Leben.
Die Auferstehung ist ein Symbol für Leben und für die Sicherheit, die Gott uns mit auf den Weg geben möchte. Darüber hinaus spendet sie Hoffnung: für das Leben im Diesseits, aber auch für das Leben im Jenseits. Denn Jesus gibt sein Leben zur Erlösung für viele (vgl. Mt 28, 28b).
Ich wünsche Ihnen, dass Sie in der jetzt beginnenden Passionszeit auch bei schlimmen Bildern nicht wegschauen, bei eigenen dunklen Erfahrungen nicht verzweifeln. Mich begeistert der Satz Dietrich Bonhoeffers: „Wer Ostern kennt, kann nicht verzweifeln"
So wünsche ich Ihnen eine gesegnete Passions- und Osterzeit.
Sophie-Thérèse Auth

Sophie-Thérèse Auth macht von Dezember 2015 bis Februar 2016 ein Gemeindepraktikum in der Kirchengemeinde Uhlbach. Danach nimmt sie ihr Studium der Theologie in Tübingen auf.
Sophie-Thérèse Auth
Auth Portrait

Monatsspruch März:
Jesus Christus spricht: Wie mich der Vater geliebt hat, so habe auch ich euch geliebt. Bleibt in meiner Liebe!
Joh 15,9
Monatsspruch April:
Ihr aber seid das auserwählte Geschlecht, die königliche Priesterschaft, das heilige Volk, das Volk des Eigentums, dass ihr verkündigen sollt die Wohltaten dessen, der euch berufen hat von der Finsternis zu seinem wunderbaren Licht.
1.Petr 2,9