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Besinnung

…und die Klarheit des Herrn leuchtete um sie… (LK 2, 9b) oder:… wenn sich die Nebel lichten

Die Wolken hängen auf dem Rotenberg. Es sieht aus als hätte sich die Kapelle ein Tuch umgelegt, ein weißes Seidentuch, hauchzart, mal weht es ein wenig hoch, mal fällt es wieder ein Stückchen hinunter. Die Welt riecht nach Abschied. Es ist kühl geworden. Berührt der Winter schon meine Haut? Tage des Erinnerns und Bedenkens, die Toten der Kriege, lange vergangen, die Toten des letzten Jahres. Stille, in Nebel gehüllte Stille. Für jeden Toten ein Licht, im kleinen Kirchenschiff. Wir gehen weiter, Schritt für Schritt, und Jahr um Jahr. Nebel hängt über dem Berg, wolkenschwer. Die Pflanzen ziehen ihre Triebe ein und das Leben zieht sich in die Wurzelballen zurück. Warten in Stille, ganz still, dem Licht entgegen. Und aus der Stille heraus beginnen sich die Tage zu runden, dem Fest entgegen. Wie ein Hefeteig sich duftend hebt. Viele kleine Freuden, suchen noch nach Kraft. Wann beginnen die Sterne zu leuchten? Wie verschenkt man einander Licht? Müssen wir wie Hirten werden, ums Lagerfeuer geschart, der Kälte zu trotzen? Wachsam ins Dunkel lauschen? Raubtiergleich zu wittern die Gefahr? „Und siehe der Engel des Herrn trat zu ihnen und die Klarheit des Herrn leuchtete um sie“ Irgendwann wird das sein, es wird passieren, dass sich die Nebel lichten. Vielleicht hier und jetzt in diesem Jahr, im November oder im Advent, am Weihnachtsfest oder im neuen Jahr, ein Engelsstrahl fegt durch das Wolkendickicht. Wir werden wachsam sein, ins Dunkel lauschen…. „…und die Klarheit des Herrn leuchtete um sie…“ Ins Dunkel lauschen…

So soll Weihnachten, ins Licht gerückt, uns den Weg weisen.

Letzte Änderung amDonnerstag, 13 Oktober 2016 17:52