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Andacht: Das Wort sie sollen lassen stahn

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Das Wort sie sollen lassen stahn

Liebe LeserInnen unseres Heilix Blättles,

unter den vielen Bildern von Martin Luther, die uns in diesem Jahr des Reformationsjubiläums von den Medien präsentiert werden, ragt neben den vertrauten Luther-Bildnissen von Lukas Cranach ein neuzeitliches Werk hervor: das Luther-Porträt der Wiesbadener Kalligraphin Petra Beiße.

Vertiefen Sie sich doch mal intensiv in das Bild auf der Titelseite dieses Heilix Blättles – Sie werden Erstaunliches entdecken! Da tummeln sich weit über hundert Begriffe – eine vielfältige, bunte Schau von Vokabeln über Gott und die Welt.

Neben modernen Ausdrücken wie „Eine Welt“, „Individuum“ oder „Toleranz“ finden sich in dieser Liste im Lutherkopf der Grafikerin auch Hauptwörter wie „Anfang“ und „Wort“ – Begriffe, die für die Reformation und für Luthers Denken zentrale Bedeutung hatten.

„Im Anfang war das Wort“, heißt es am Beginn des Johannes-Evangeliums. Und in seiner wichtigsten Liederdichtung schrieb Martin Luther: „Das Wort sie sollen lassen stahn“.

Das Wort Gottes war für Luther der Inbegriff des christlichen Glaubens. Es war Luthers feste Überzeugung, dass dieses Wort laut verkündet werden muss, in deutscher Sprache gepredigt werden muss, den Menschen so nahe gebracht werden muss, dass Jeder es verstehen kann. Die mittelalterliche römische Kirche konnte und wollte das nicht leisten und gegen diese Missachtung des Wortes, des Fundamentes des christlichen Glaubens, wie es allein in der Heiligen Schrift („sola scriptura“) gesichert ist, erhob Martin Luther mutig seine Stimme. Für Martin Luther ergaben sich aus dieser seiner Grundüberzeugung über die Verkündigung des Wortes klare Folgerungen: Er musste die Bibel ins Deutsche übersetzen. Er musste dem „Volk aufs Maul schauen“ und eine deutliche, verständliche Sprache für seine Übersetzung und seine Predigten wählen. Er musste dafür sorgen, dass Mädchen und Jungen lesen und schreiben lernen konnten. Er musste seine Thesen, Gedanken und Bekenntnisse in Flugschriften unter die Leute bringen und die Bibel in günstigen Druckausgaben verbreiten.

Damit wurde der Reformator der Kirche ganz nebenbei zu einem umwälzenden Bildungs- und Medienrevolutionär, der eine bis heute weltbewegende Zukunftsformel erfand: Bildung für alle.
Und heute, im Zeitalter von Internet und Smartphones, von Facebook und Twitter? Welche Medienrevolution braucht der christliche Glaube heute? Wie kann die heutige Kirche in den modernen Medien ihre neuzeitliche Verkündigung des Wortes Gottes und der Heiligen Schrift leisten? Welche Sprache müssen wir Christen heutzutage wählen, dass die Menschen „das Wort Gottes verstehen?

Wir laden Sie herzlich ein, sich mit Luthers Ideen und ihrer Bedeutung in heutiger Zeit zu beschäftigen. In dankenswerter Weise wird Herr Frieder Spaeth bei einem Lese- und Gesprächsabend am Mittwoch, dem 3. Mai allen Interessierten die Gedanken und Worte Luthers ein wenig näher bringen.
Sollten Sie sich jedoch dafür interessieren, wie das Wort Gottes in der Lutherzeit den einfachen Menschen durch Bilder weitergegeben wurde, sind Sie am Freitag, dem 12. Mai herzlich im Rahmen eines Ausflugs der Begegnungsstätte Uhlbach nach Herrenberg eingeladen, um in der dortigen Stadtkirche die eindrucksvollen Bildtafeln des Mömpelgarder Altars zu bestaunen.

Lassen Sie sich diese Gelegenheiten nicht entgehen – wir freuen uns auf Sie!

Martin Eisele-Remppis

Letzte Änderung amDienstag, 25 April 2017 12:57