Log in

Besinnung: Aufbruch

"Aufbruch" von Nicole Beck Foto: © Martin Eisele-Remppis, Stuttgart "Aufbruch" von Nicole Beck

Aufbruch

Liebe Leserinnen und Leser,
auf der Titelseite sehen Sie das Foto eines Bildes, das im Uhlbacher Pfarramt hängt. Es wurde von Frau Beck gemalt, der Sekretärin im Pfarramt. Der Titel des Bildes heißt: „Aufbruch“.
Ein abstraktes Bild. Was sehen Sie darin?

Bei meinen Töchtern gab es unterschiedliche Reaktionen auf die Frage. Eine Tochter lehnt die Vorstellung, dass man überhaupt etwas erkennen könne, rundweg ab. Die anderen legen sich nur auf wenig fest: Sie sehen einen Menschen.
Zusammen mit dem Titel des Bildes „Aufbruch“ könnte das dann ein Mensch sein, der aufbricht. Wohin will er? Was ist sein Ziel im Leben? Welchen Ort muss er verlassen, damit es weitergehen kann?
Eine neue Idee fürs Geschäft? In den Beruf wieder einsteigen nach der Elternpause? Mit der Familie umziehen? Eine neue Freundin? Ein Schulwechsel? Lauter Aufbrüche.
In welchen Aufbrüchen stecken Sie?

Die Zeit im November und Dezember ist eine Zeit des Aufbruchs. Im November geht das alte Kirchenjahr zu Ende. Wir denken an die im vergangenen Jahr Verstorbenen. Noch einmal Abschied nehmen. Im Dezember beginnt der Advent: das Warten auf Jesus Christus, auf die Ankunft Gottes in unserer Welt. Aufbruchszeit für Christen. Hin zu dem, was sich in der Krippe zeig: Menschenliebe. Nächstenliebe. Gottes Liebe.
Auf dem Bild sehe ich nirgends die Krippe. Aber irgendwie passt das Bild trotzdem zum Advent. Rot ist der Körper des Menschen auf dem Bild; als wäre er Feuer und Flamme für das Ziel, zu dem er aufbricht.
Vielleicht ist der Mensch ein Hirte, der aufbricht zur Krippe? Oder ein Weiser aus dem Morgenland, der sich im leuchtenden Gewand aufmacht, dem Stern zu folgen? Oder vielleicht bin ich es selbst?
Christen sind Menschen, die aufbrechen, das Alte hinter sich lassen, und sich dem neuen Leben zuwenden. Ein echter Aufbruch ist nicht einfach. Dazu gehört, der Abschied vom Alten. Vergeben und Verzeihen. Und die Vorstellung vom wahren Leben, das mir geschenkt wird. Ich brauche ein Ziel vor Augen. Wenn ich zur Krippe hin aufbreche, dann bin ich auf dem richtigen Weg.

Ich wünsche Ihnen eine gesegnete Zeit am Ende des Kirchenjahres, im Advent, an Weihnachten – mit Aufbrüchen zu Gottes neuen Möglichkeiten.
Ihr Pfarrer
Jakob Spaeth

 

Letzte Änderung amDienstag, 17 Oktober 2017 10:54
Mehr in dieser Kategorie: « Andacht April-Mai 2015 Besinnung »