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Besinnung

Pfingsten

An Pfingsten gerät die Welt in Bewegung! So sehe ich das Fest! Die Geschichte, die wir uns an Pfingsten immer wieder neu erzählen berichtet davon. Jesus war gestorben, er war zwar kurz wieder da gewesen, vom Tode auferstanden, aber dann war er in den Himmel entschwunden und seine Freunde saßen da. Sie wussten nicht weiter. Was war aus der frohen Botschaft Jesu geworden? War sie mit ihm zusammen entschwunden? Die Angst hatte Besitz von ihnen ergriffen. Die Welt war die Gleiche geblieben, die Gefahr der Verhaftung blieb bestehen, ihnen allen drohte eine ähnliche Strafe wie Jesus sie erlitten hatte. War so alles vorbei? Sie hatten diese Zeit des Aufbruchs miterlebt, waren begeistert gewesen, hatten vieles hinter sich gelassen, was zu ihrem bisherigen Leben gehört hatte. Die Nähe Gottes war erlebbar gewesen in jedem Augenblick auf den Wegen, die sie mit Jesus durch das Land gewandert waren. Sie hatten so Vieles neu verstanden. Und sie hatten sich so kraftvoll gefühlt und geschützt in dieser Gemeinschaft.
Aber dann kam die Angst zurück, unsere uralte menschliche Angst, die wohl alle Menschen immer wieder erleben, wenn sie sich ausgeliefert fühlen und ihnen ihre Hilflosigkeit vor Augen steht. Am liebsten würden wir uns wieder verhalten wie die kleinen Kinder, die die Augen verschließen vor der Gefahr, nicht hinschauen, nicht bewegen, nicht auffallen. Das was daraus erwächst ist Bewegungslosigkeit und Starre.
Und dann braust da der Heilige Geist durch den Raum und die Feuerflämmchen erscheinen über den Köpfen. Und die Kraft kehrt zurück, der Mut sich zu zeigen und laut zu sprechen und das Erlebnis, dass sie in diesem Moment von allen verstanden werden.
Mein Blick fällt im Nachdenken auf die kleine Menschengruppe aus Ton, die auf meinem Regal steht. Eine Künstlerin, die in Damaskus lebte hat sie uns geschenkt, als wir uns von unserer kleinen Gemeinde dort verabschieden mussten. Sie gestaltete eine Gemeinschaft die aufbricht, die sich auf den Weg macht. Verwurzelt in einer guten Gemeinsamkeit, wie miteinander verwachsen. Es könnte das Bild einer Familie sein, die unterwegs ist, so wie wir damals aufbrechen mussten. Aber es könnte auch das Bild einer Gemeinde sein, die unterwegs ist. Neues kommt auf sie zu. Sie muss sich gut verankern, und im Vertrauten ihren Halt finden. Doch guckt da jeder einzeln auf seine Art in seine eigene Richtung, mit einem eher neugierigen Ausdruck im tönernen Gesicht. Ja, wo gehen wir hin miteinander in unseren Gemeinden? Was bewegt uns vorwärts. Es sind die Zahlen und die Beschlüsse der Synode, die die Reduzierung unserer Pfarrstellen festgelegt hat. Wie gehen wir damit um? Erstarren wir in der Angst vor Veränderung oder werden wir in der Lage sein den heiligen Geist wahrzunehmen, der uns vorwärts pustet. „Geht ein Stückchen weiter, schaut euch gut um, nehmt mit, was ihr auf eurem Weg braucht. Und spürt die gute Gemeinschaft!“ Unsere Gemeinschaft, die aus diesem Aufbruch des ersten Pfingsterlebnisses gewachsen ist.“ So feiern wir in diesem Jahr den Kirchengeburtstag.

Wir bleiben in Bewegung!

Letzte Änderung amDonnerstag, 19 April 2018 14:19