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Andacht

Der Kirchenraum blickt uns entgegen. Ein wohlvertrauter Raum, den wir zur Zeit nicht betreten dürfen um Gottesdienste zu feiern. Ein leerer Raum, aber wenn ich so hineinschaue, kommen die Bilder dazu, die ich in mir trage. Kerzen flackern in den Fensternischen, alle Lichter sind hell erleuchtet, Menschen sammeln sich, Reihe für Reihe, vertraute Gesichter. Orgelklang, Blumenduft und ich höre Worte, eine alte Sprache, gewichtige Worte, die auf den Seelenboden fallen möchten.

Pfingstworte: „Es soll nicht durch Heer oder Kraft, sondern durch meinen Geist geschehen, spricht der Herr Zebaoth!“ Der Prophet Sacharja hat diese Worte von Gott überliefert. Im 4. Kapitel Vers 6b.

Wir haben erlebt, dass unsere Räume geschlossen wurden. Die Räume, in denen wir uns versammeln konnten, die Kirchenräume, aber auch all die anderen Räume in denen wir uns getroffen haben für unsere Sitzungen und Besprechungen, für die Fortbildungen und zum Tanzen, für unsere Feste und zum Feiern, zum Spielen und zum Singen. Das Gemeindeleben wurde herausgenommen, herausgetragen in unsere Wohnungen. Wir erlebten uns als Gemeinde, die nicht zusammenkommen durfte und doch gemeinsam die Zeiten der Krise bewältigen möchte. Mit Telefonketten und E-Mailgruppen und Youtube Andachten werden die Verbindungen gepflegt.

Wir sind in einem Schwebezustand an­gekommen, noch wissen wir nicht auf welchem Boden wir wieder landen können, wenn die aktuelle Krise vorüber ist. Wie werden sich unsere Gemeinden wieder zusammenfinden? Wie werden wir unsere Gottesdiensträume wieder betreten?

Können wir den Pfingstworten trauen? Es sollen große Veränderungen kommen, von denen Sacharja berichtet, Veränderungen die sich so ganz anders bemerkbar machen als sonst, nicht durch Heer oder Kraft wird die Gesellschaft sich wandeln, sondern durch „meinen Geist“ spricht Gott.

Ob wir uns diesem Geist anvertrauen, diesem verheißungsvollen Wort? Gottes Heiliger Geist wird die Veränderungen bewirken, in uns. Heiliger Geist, in dir schwebt der Mut und die Kraft, die uns aufrecht hält. In dir werden wir die Verbundenheit erleben. Du bist die Verbindung in Gottes allumfassende Liebe, die uns stärkt und uns befähigt uns einander zuzuwenden. Wir sollen den Mut nicht verlieren oder verzweifeln an der Vereinsamung. Wir erleben massive Einschnitte in unser Privatleben, aber auch spannende Veränderungen. Kann unsere Gesellschaft die Solidarität und gegenseitige Rücksichtnahme beibehalten, die sich so erfreulich ausgebreitet hat? Ich möchte versuchen Gottes Geist mit hineinzunehmen in meinen Blick, dann sehe ich nicht nur die leere Kirche auf dem Bild, sondern ich sehe ein Versprechen: wir werden uns dort wieder versammeln, wir werden dort wieder zusammen feiern. Wir werden verändert sein! „Nicht durch Heer oder Kraft, sondern durch meinen Geist, spricht der Herr Zebaoth“

Friederike Weltzien

Letzte Änderung amMittwoch, 08 April 2020 10:02