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Interview mit der Diakoniestation Untertürkheim

  • Publiziert in Diakonie

Interview mit der Diakoniestation Untertürkheim

Haben Sie gewusst, dass unsere evangelische Kirchengemeinde einen eigenen mobilen Pflegedienst hat? Von den wenigsten wahrgenommen und doch immer da: Die mobile Pflegefachkräfte unserer Diakoniestation in Untertürkheim. Gemeinsam mit den Gemeinden Uhlbach, Rotenberg und Untertürkheim finanzieren wir diese wichtige Äußerung kirchlichen Lebens, in der christliche Nächstenliebe konkret wird. Tagtäglich sind sie in Obertürkheim und Uhlbach unterwegs und versorgen alte und kranke Menschen in unserer Gemeinde.

Doch neben der Alten- und Krankenpflege hat unsere Diakoniestation noch weitaus mehr zu bieten: Begleitung, Beratung, Schulung können hier ebenso angefragt werden, wie Hilfe im Haushalt, Essen auf Rädern, Seelsorge oder Sterbebegleitung?

 

Hallo Team unserer Diakoniestation! Schön, dass es klappt und wir Zeit finden für ein Interview. Beginnen möchte ich mit der Bitte, dass Sie kurz Ihre Arbeitsweise skizzieren: wen und wo pflegen Sie?
Marianne Döpfert: Regional betreuen wir Obertürkheim, Uhlbach und Rotenberg. Uns ist ganz wichtig, dass die zu Pflegenden nicht ständig neue Gesichter sehen. Wir, das heißt Franko und ich machen das in 2 Touren. Wir haben noch zwei Springer und auch die sind festen Personen zugeordnet. Leider klappt es in der Spätschicht und am Wochenende nicht so gut, da wir dann natürlich weitere Pflegekräfte haben, die uns unterstützen und entlasten. Denn als Pflegedienst besuchen wir die patinten teilweise bis zu 3 mal täglich.

Haben sie Pflegefälle, die gar nicht zur evangelischen Kirchengemeinde gehören?
Sylvia Tamme: Ja, da machen wir kein Unterschied. Die Menschen, die wir betreuen kommen aus ganz unterschiedlichen Religionen.

Wie finden diese Menschen den Weg zu Ihnen?
Schwester Ute: In der Regel über den Hausarzt und über die Krankenhäuser. Manche wissen aber auch von unserer Arbeit durch Nachbarn oder durch die Gemeinde.

Empfinden sie eine Konkurrenz zu anderen Pflegediensten in ihrer täglichen Arbeit?
Ja, doch!
Wie äußert sich das konkret?
Franco De'Ritis: Auch wir müssen uns selbst tragen, d.h. jede und jeder von uns muss sein Gehalt selbst erwirtschaften. Und wir sehen hier immer viele Autos von der Konkurrenz fahren. Wir machen oft den Vergleich mit Handwerkern: Wenn ein Handwerker kommt, dann kostet das siebzig, achzig Euro plus Anfahrt. Wir sind aber genauso Fachpflegekräfte, wir haben auch eine Ausbildung, wir möchten auch leben und dementsprechend kostet die Versorgung auch Geld und viele Leute scheuen sich davor so viel Geld für die Pflege auszugeben und sehen das nicht ein. Also es ist nicht selbstverständlich, dass Pflege kostet. Wenn ich eine Stunde komme, dann rechnet niemand mit fünfzig Euro, bei einem Handwerker wäre das sehr günstig, aber das sind auch bei uns die anfallenden Kosten.

Ist das Problem, dass der Handwerker nur einmal kommt, die Pflege aber kontinuierlich Geld kostet?
Franco De'Ritis: Ja, sicher. Aber wenn ich das nicht will, dass das alles Geld kostet, muss sich eben in der Politik was ändern. Inzwischen haben sich auch die Strukturen geändert: Früher blieben die Frauen zu Hause und hatten tatsächlich Zeit ihre Eltern bzw. Schwiegereltern zu pflegen. Wenn zwei Menschen das Einkommen einer Familie verdienen müssen, wird das eben schwierig.

Was unterscheidet denn Ihre Arbeit dann von der eines anderen Pflegedienstes?
Petra Krauss: Das sind m.E. verschiedenen Punkte:
Der Wichtigste ist, dass wir versuchen, den ganzen Menschen im Blick zu haben. Das äußert sich ganz praktisch: dass z.B. die Diakonie neben den Pflegediensten auch noch ergänzende Hilfe anbietet, die für die hauswirtschaftliche Versorgung, wie waschen, bügeln, putzen etc. zuständig ist oder, die auch die einfache Grundpflege ohne Behandlung übernehmen kann. Oder die auch mal mit älteren Menschen zum Arzt gehen oder mit ihnen Besorgungen machen, oder betreuen.
Uns ist es wichtig, den Familien und Menschen überall dort zu helfen, wo sie Hilfe benötigen, um möglichst lange so zu wohnen, wie sie das möchten. Der Vorteil ist, dass wir das in der Diakonie unter einem Dach haben, wir uns intern auch austauschen, das heißt wir kennen die Bedürfnisse der Familien unter vielerlei Aspekten und können uns so auch austauschen und Hilfe anbieten oder initiieren.
Der andere Aspekt ist natürlich unsere Anbindung an die evangelische Gemeinde, die sich z.B. in der finanziellen Unterstützung durch die Krankenpflegefördervereine und die Gemeinden ausdrücken. Diese ermöglichen uns unseren Dienst am Nächsten wirklich in einem christlichen und ganzheitlichen Sinne ausüben zu können.

Wie das?
Schwester Ute: Die finanzielle Unterstützung durch die Krankenpflegefördervereine und die Gemeinden ermöglichen uns zeitlich etwas Luft, so dass wir uns trotz unserer mit Minutenzahlen hinterlegten Arbeitsplänen – wie bei allen anderen auch – die Zeit nehmen können, auch mal ein Gespräch zu führen, das jemand braucht oder uns andere Arten der Zuwendung ermöglicht, die Pflege aber zu eine menschlichen Pflege macht.
Das läuft unter dem Stichwort „Diakonie Plus", also die finanzielle Unterstützung aus den Gemeinde.
Suchen sie immer noch Menschen, die Lust haben sich in der Nachbarschaftshilfe zu engagieren?
Petra Krauss: Seit dem letzten Artikel in Heilix Blättle haben sich einige Helferinnen bei uns gemeldet. Wir freuen uns aber auch weiterhin über Interesse an der Arbeit.

Welche Wünsche haben sie an unsere Gemeinde?
Schwester Ute: Wir können uns als evangelische Einrichtung mehr Präsenz in den Kirchengemeinden vorstellen, das kann in Gottesdiensten oder auch bei Gemeindefesten sein.
Außerdem wäre es natürlich schön, wenn überhaupt bekannt wäre, dass die Gemeinde und der Krankenpflegeförderverein einen finanziellen Beitrag zu „Diakonie plus" leisten und somit wesentlichen Anteil an dem haben, dass es möglich ist stärker auf die Bedürfnisse des Menschen einzugehen als die Minutenuhr es vorgibt.
Und natürlich freuen wir uns über jede Empfehlung.

Das Interview führte Christian Kögler

 

Letzte Änderung amDienstag, 03 Mai 2016 16:40