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Missionsprojekt Christine Bühler

 

Erster Zwischenbericht

Christine Bühler
Hidup Baru in Atambua

November 2015, Nr.1

Hallo ihr Lieben,

ich bin jetzt schon seit drei Monaten zusammen mit meinem Mitfreiwilligen Stefan in meinem Projekt in Indonesien und fühle mich hier sehr wohl. Die neue Kultur, die neue Sprache, die Menschen und die Arbeit sind für mich jeden Tag aufs Neue ein Erlebnis und es ist super spannend.

Nach einer einwöchigen Einführungswoche auf Sumatra, wo wir hauptsächlich Indonesisch gelernt haben, und einer weiteren Woche in einem Reha-Zentrum auf Sumatra kamen wir dann in unserer neuen Heimat an.

Aber erst einmal zur Insel Timor und meinem Projekt: Timor liegt im Süden von Indonesien und bildet die östlichste der Kleinen Sundainseln im Indischen Ozean. Timor ist geteilt in Ost- und Westtimor. Ich bin in Westtimor, was noch zu Indonesien gehört. Die Hauptstadt heißt Kupang. Kupang befindet sich im Westen der Insel und ist etwa sieben Stunden mit dem Bus von Atambua entfernt. Die Insel ist wunderschön, sehr tropisch und trocken. Aber das wird sich spätestens im Dezember mit der Regenzeit ändern.

Unser Innenhof

Unser Innenhof

Das Reha-Zentrum liegt abgeschieden am Stadtrand von Atambua. Direkt hinter uns kommen einige Kilometer Dschungel. Ich lebe hier in einer Schwesterngemeinschaft von momentan fünf Schwestern und auch auf ihre Lebensweise musste ich mich erst einstellen. Ihr Tagesablauf ist streng festgelegt und sie haben kaum Freizeit.

Mein Projekt Hidup Baru („neues Leben“) bietet körperlich behinderten Kindern im Reha-Zentrum Hilfe an. Im Moment sind 23 Kinder unterschiedlichen Alters im Projekt. Die Träger sind die Franziskanerinnen FCJM.

Meine Aufgabe besteht darin, den Kindern beim Laufenlernen zu helfen, mit ihnen Physiotherapie zu machen und nachmittags mit ihnen zu lernen und zu spielen.

Nun zu meinem Tagesablauf: Um kurz vor 6 Uhr stehe ich auf und mache mich fertig für das Frühstück, das es um 6:15 Uhr gibt. Danach eine Stunde Pause und um 8:00 Uhr fängt mein Arbeitstag mit der Therapie der Kinder an. Abwechselnd trainieren wir das Laufen, machen mit ihnen Übungen oder Therapien im Therapieraum. Unserer Kreativität sind hier keine Grenzen gesetzt. Und im Therapieraum gibt es nun ein neues Physiotherapiegerät. Dort helfen wir auch mit, da das Gerät nicht auf Indonesisch einstellbar ist. Wir machen nun mit den Kindern Stimulationen, Ultraschall- und Lasertherapien. Um 10 Uhr gibt es für die Kinder das Minum (das ist etwas Kleines zum Essen und dazu gibt es Milch). Danach essen Stefan und ich selbst etwas und machen eine kleine Pause. Dann spielen wir mit den Kindern weiter und laufen über das Gelände. Um 12 Uhr helfen wir beim Mittagessen und danach essen wir selbst mit den Schwestern zusammen. In der Mittagspause schlafen die Kinder, und ich nutze die Zeit meistens, um E-Mails zu schreiben, zu lesen oder auch um zu entspannen. Um 15:00 Uhr werden die Kinder von uns wieder geweckt und danach geduscht. Dort helfe ich überall mit, wo Hilfe gebraucht wird. Danach gibt es wieder ein Minum und dann machen Stefan und ich Programm. Die Kinder werden dabei in zwei Gruppen aufgeteilt. Eine Gruppe übernehme ich und eine Stefan. Wir spielen mit den Kindern dann Verstecken (das lieben alle), bringen ihnen Englisch bei, oder ich unterrichte Geigen (was mit meiner Schülerin überraschend gut klappt, sie lernt sehr schnell). Freitagnachmittags darf ich immer in der Küche mithelfen. Dort sind nun durch mich auch schon deutsche Gerichte entstanden. Das macht mir immer sehr viel Spaß. Ab 17:00 Uhr habe ich immer frei, um 19:00 Uhr gibt es Abendessen und danach setzen wir uns manchmal noch nach oben zu den Kindern und quatschen mit ihnen ein bisschen oder schauen mit ihnen indonesische Soaps.

Montagmorgens bin noch einen halben Tag im Kindergarten, der direkt neben unserem Reha-Zentrum liegt. Nach einem Morgenappell lerne ich mit den Kindern die ersten Brocken Englisch und singe und spiele viel mit ihnen.

Samstags und sonntags ist immer frei. Samstagmorgens wird alles gewaschen und geputzt und wir gehen meistens in die Stadt, um ein paar Dinge einzukaufen oder Lebensmittel auf dem Markt zu besorgen. Sonntagmorgens geht es in die Kirche. Während der Sonntagsmesse singen Stefan und ich im Chor einer Jugendgruppe mit. Diese trifft sich auch manchmal unter der Woche zum Volleyball- oder Fußballspielen, wo wir auch mitmachen. Aber auch unter der Woche gibt es immer wieder Feste oder Treffen, zu denen wir eingeladen sind. Es ist immer was los. Allgemein, finde ich, sind Indonesier sehr kontaktfreudige Menschen, die immer einen Grund haben, ein Fest zu feiern oder eine Gelegenheit finden, sich mit anderen auszutauschen. Für einen netten Plausch während dem Einkauf ist immer Zeit.

Mit den Kindern hatten wir nun schon den ersten Ausflug ans Meer. Alle waren sehr aufgeregt und hatten sich schon lange auf diesen Tag gefreut. Wir mussten eine Stunde lang mit dem Pickup die kurvigen Küstenstraßen fahren, bis wir am „weißen Strand“ ankamen. Es wurde viel gespielt und gepicknickt und um 15 Uhr, als wieder Ebbe war, ging es zurück.

Mit den Kindern am Meer

 

Mit der Kommunikation auf Indonesisch klappt es nun immer besser, wir haben hier eine indonesische Schwester im Projekt, die Deutsch kann. Aber ich merke schon, wie es immer besser auch auf Indonesisch klappt. Mir ist aufgefallen, dass ich immer am meisten lerne, wenn ich mich einfach mit den Mitarbeitern und Kindern unterhalte, das ist dann auch immer sehr lustig.

Ich als deutsches, hellhäutiges, großes Mädchen falle natürlich unter all den Indonesiern auf. Das war am Anfang sehr ungewohnt. Wir werden von allen möglichen Leuten angelächelt und angequatscht, die wir noch nie gesehen haben. Unsere Stellung als reiche Ausländer wird den Indonesiern nie aus dem Kopf gehen. Sie haben aber auch sehr viel Respekt vor uns und sind zunächst sehr schüchtern. Die Rangordnung in Indonesien hat hier eine sehr wichtige Stellung. Es ist alles durchdacht, die Begrüßung, die Sitzordnung, die Reihenfolge, wer als erstes zu essen bekommt. Das alles geschieht mit sehr viel Respekt. So werde ich zum Beispiel von Kindern immer begrüßt, indem die Kinder meine Hand an ihre Stirn halten, oder mir ein Küsschen auf die Hand drücken. Am Anfang war das sehr befremdlich und ungewohnt, aber man gewöhnt sich schnell daran.

Auch auf die gelassenere Lebenseinstellung der Indonesier musste ich mich zuerst einstellen. Sie leben eher nach dem Motto „Es wird schon alles gut gehen“ und genießen dafür das Hier und Jetzt. Ihre optimistische Grundhaltung und ihr Glaube an die Lösbarkeit von Problemen lässt sie flexibel bleiben.

Irgendwie ist es auch erstaunlich, wie schnell wir Menschen uns auf so eine neue Kultur einlassen und anpassungsfähig sind. Das ist von Typ zu Typ natürlich unterschiedlich, aber irgendwie klappt es doch immer.

Ganz liebe Grüße aus dem tropischen Indonesien. Ich freue mich über Rückmeldungen, Fragen, Neuigkeiten von euch.

Eure Christine

alt

 

Letzte Änderung amDienstag, 03 Mai 2016 16:40
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