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Andreaskirche Uhlbach

  • Publiziert in Kirchen

Die Andreaskirche Uhlbach – Gestalt und GeschichteAndreaskirche Uhlb Chorbogen k13108w

Immer wieder sind die Besucher überrascht und beeindruckt, wenn sie in unsere Andreaskirche eintreten - ein so festlich-prächtiger wie heiter-frommer Kirchenraum empfängt sie. Ihn hat Heinrich Dolmetsch (1846-1908), ein seinerzeit hoch angesehener und viel beschäftigter Kirchenbaumeister in Württemberg, 1895 geschaffen, in dem er die alte Dorfkirche umbaute und neu ausstattete. Hauptsponsor war dabei der Stuttgarter Textilunternehmer Gottlieb Benger (1851-1903), der eine Uhlbacherin geheiratet hatte und nicht weit von der Kirche ein Landhaus in großem Park bauen ließ. An dieses Engagement erinnert in der Kirche der Benger'sche Familienstuhl, ein abgesondertes Gelass neben dem Chor mit drei Sesseln unter einem reich geschnitzten Baldachin – für diese Zeit ein ganz ungewöhnliches Stück. Dolmetsch ersetzte die überkommene Flachdecke des Schiffs durch ein hohes Holzgewölbe mit Bildern der Apostel, der Tugenden und der Tierkreiszeichen im gestirnten Himmel. Diese Bilder stehen für den Kosmos, der von der Figur des gekreuzigten Jesus unter dem hohen Chorbogen (um 1500, einziges Stück aus der alten Kirche), umgeben von Weinreben und Passionsblumen, beherrscht wird. Von diesem Kreuz geht der Weg des Heils über das Relief der Grablegung an der linken Chorwand zum Chorfenster mit der Auferstehung Jesu. Damit hat Dolmetsch eine sowohl theologisch wie gestalterisch bedeutende Lösung gefunden. Bestimmend für die Raumwirkung des Schiffs sind die drei Zonen – Gestühl, Emporen und Decke - , in denen die warmen Holztöne dominieren. Die Emporen zeichnet durch die Wölbung ihrer Brüstungen besondere Eleganz aus.
Es war ein Glücksfall, dass die Uhlbacher Kirche in der Zeit, als man das Werk Dolmetschs gering achtete, keine größeren Eingriffe als das Tünchen der Wände zu erdulden hatte. So war es möglich, mit der Restaurierung von 1988/90 den originalen Dolmetsch-Innenraum wieder zu gewinnen. Von der Kirche vor Dolmetsch ist innen nur das Gewölbe des Chors und der Sakristei zu sehen. Beide könnten noch von der Kapelle stammen, die 1386 genannt wird, denn im Turm über dem Chor hat sich eine Glocke aus dem 14.Jahrhundert erhalten. 1490 wurde die Kapelle zur Pfarrkirche erhoben, so dass die Uhlbacher nicht mehr gezwungen waren, ihre geistliche Versorgung in Cannstatt, Obertürkheim und auch zum Teil in Esslingen aufzusuchen. Seit mehr als 500 Jahren ist die Andreaskirche weithin sichtbar Mittelpunkt des Dorfes und Wahrzeichen seiner Landschaft mit ihren Wein- und Obstgärten. Der Wanderer hat dieses anrührende Bild schon länger vor Augen, bevor er den schönen Kirchenraum betritt.

Fritz Endemann

Letzte Änderung amMontag, 27 Juni 2016 13:04