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Aller Abschied fällt schwer

Pfr Kögler a40622cbAller Abschied fällt schwer

 

Es hat doch gerade erst angefangen, geht mir oft durch den Kopf, wenn ich an den 30. April denke, an dem mein Dienst hier in Obertürkheim enden wird. Es gibt noch so viel zu tun. Und doch werde ich den Pfarrdienst mit dem Auslaufen meiner auf drei Jahre befristeten Pfarrstelle hier in Obertürkheim, das mich mit meiner Familie so herzlich aufgenommen hat, beenden. Ein weiterer Erdenbürger hat sich erfreulicher Weise in unserer Familie ankündigt. Und ich werde in Elternzeit gehen.

Ja, ich habe diesen Fleck Erde lieben gelernt: im Neckartal, zwischen Industriegebiet und Weinbergen, mit seinen alten Dorfstrukturen und den vielen Zugezogenen, mit den zahlreichen aktiven Gemeindegliedern und denen, die sich einfach nur über eine schöne Taufe oder Hochzeit gefreut haben. Ein bunter Fleck vor den Toren Stuttgarts – das gefällt mir.
Es waren interessante Jahre mit spannenden Fragestellungen. Vieles ist entstanden, was mir am Herzen liegt.

Gemeinde als Gemeinschaft erlebbar zu machen und die Menschen in ihrer Unterschiedlichkeit zusammenzubringen, das war und ist mir so ein wichtiger Punkt. Und so ist z.B. der Kirchkaffee nach den Gottesdiensten für die ganze Familie eine tolle und gut angenommene Möglichkeit geworden, miteinander ins Gespräch zu kommen, Meinungen, Befindlichkeiten, Sorgen und Ideen auszutauschen.

Auch die Weiterentwicklung des diakonischen Profils dieser Gemeinde war mir eine solche Herzensangelegenheit, denn ich bin der festen Überzeugung: Nur dort wo Nächstenliebe in den Gemeinden konkret gelebt und sichtbar wird, können Gemeinden an ansteckender Strahlkraft gewinnen, denn die Tat begleitet das lebendige Wort Gottes. Und so hab ich mich neben all den vielen Menschen, die im Privaten und Verborgenen ganz selbstverständlich in unserer Gemeinde für andere da sind, sehr über den Krankenpflegeförderverein gefreut, der mit viel Energie und Enthusiasmus dabei war, wenn es darum ging zu überlegen, was wir gerade für ältere Menschen in unserer Gemeinde tun können, um ihr Leben zu erleichtern und zu verbessern.

Schließlich war es mir ein Anliegen, anbetracht schwindender Kirchenmitgliederzahlen, an Strukturen zu arbeiten, die Synergien und Erleichterungen versprechen. Das neue Heilix Blättle ist neben vielen anderen Dingen ein augenfälliges Beispiel. Denn es gelang uns in Verbindung mit der Neukonzeption des Internetauftrittes, die Arbeitszeiten derjenigen, die an der Erstellung des Gemeindebriefes beteiligt sind, zu reduzieren und dabei auch noch unsere Finanzen zu schonen. So macht Kooperation und Arbeiten Spaß.

Beim Blick zurück steht eins für mich fest: Nichts von all dem wäre geglückt, ohne das viele konstruktive Mitdenken, das Mitgestalten, das Mitanpacken und kritische Begleiten von so vielen Gemeindeglieder jeglichen Alters und Überzeugung. Ich möchte an dieser Stelle all jenen herzlich Danke sagen, die mich in meiner Arbeit im Kleinen wie im Großen unterstützt haben.

Es ist nicht alles fertig geworden, was angefangen wurde. Und so kommt mir in den letzten Tagen immer wieder die Jahreslosung für das Jahr 2013 in den Sinn:
„Wir haben hier keine bleibende Stadt, sondern die zukünftige suchen wir." Ja, unser Leben ist immer wieder durchzogen von Brüchen und Neuanfängen. Auch das unserer Gemeinde. Nichts bleibt wie es ist, und alles ist immer in Bewegung. Wir bleiben dauerhaft auf der Suche nach dem, was Gemeinde und gelingendes Leben ist. Bei aller Trauer über meinen Weggang freue ich mich, dass ich all jenen, die sich in den letzten drei Jahren mit mir auf die Suche gemacht haben, in dieser Suche nach Gottes zukünftiger Stadt verbunden bleibe.

In diesem Sinn wünsche ich Ihnen Gottes Schalom

Ihr Pfarrer Christian Kögler

Letzte Änderung amDienstag, 03 Mai 2016 16:40