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Mit Bruder Ochs und Schwester Esel im Stall

HB52 Titel Ochs esel k13106bSie gehören zu Weihnachten, wie die Engel und die Kerzen: Ochs und Esel.
Dabei werden sie in den Weihnachts-geschichten von Lukas und Matthäus mit keinem Wort erwähnt. Doch das Jesuskind können wir uns eben in keiner Nobelherberge vorstellen, sondern nur in einem einfachen Stall bei den Tieren. So hat Franz von Assisi 1217 das erste „Krippenspiel“ inszeniert, bei dem die Tiere eine große Rolle spielten.

Damit wollte er die äußerliche Not des Gottessohnes im Stall zeigen. Noch wichtiger war ihm jedoch, dass nicht nur die Menschen, sondern die ganze Schöpfung sich über die Menschwerdung Gottes freut und Grund zur Freude hat. Darum feierte Franz auch nicht in einer Kirche Weihnachten, sondern mitten in Gottes Natur: im Wald von Greccio.

Diese Geschichte und die vielen Anekdoten, die über Franziskus erzählt werden, zeigen: Alle Geschöpfe sind für ihn unsere Geschwister. Da gibt es nichts, was bloß „sächlich“ wäre. Der Stein ist keine Sache, die Pflanze ist kein Gegenstand, das Tier kein seelenloses Objekt, sondern Geschöpfe, denen Ehrfurcht gebührt. Alle miteinander Wesen, die im Gegensatz zum Menschen nicht aus dem Paradies vertrieben wurden.

Doch wir vertreiben sie aus dem von Gott geschaffenen irdischen Paradies. Der Biologe Rupert Sheldrake bringt unsere aktuelles Verhältnis zu Tieren auf die Formel: „Es gibt in der Nähe zum Menschen nur noch zwei Kategorien von Tieren. Die einen verwöhnen wir mit Haustierfutter und die anderen werden dazu verarbeitet“ … oder eben zu Billigfleisch für unsere Pfanne und unseren Grill.

Dank Papst Franziskus wird zur Zeit der Bettelmönch aus Assisi wieder als Vorbild in der Liebe zu den Armen entdeckt. Wir sollten ihn uns auch in seiner Liebe zur Natur als Vorbild nehmen. Dazu muss in der Theologie noch einmal gründlich nachgedacht und neu entdeckt werden, welch reicher Schatz für Körper, Seele und Geist – für unsere ganze Spiritualität – in der Natur für uns verborgen liegt. Zu diesem wichtigen theologischen Zukunftsprojekt möchte die Nachtschicht 2014 einen kleinen Beitrag leisten. Dazu haben wir spannende Naturliebhaber und inspirierende Vorbilder unserer Tage eingeladen.

Ich wünsche uns allen, dass wir an diesem Weihnachtsfest Ochs und Esel nicht nur als Krippenfiguren auf- und wieder abbauen, sondern dass wir ihnen tief in die Augen schauen und sie unser Herz erreichen. So sollten wir am Heiligen Abend nicht nur selig werden, sondern auch unruhig: unruhig, bis die ganze Schöpfung sich über die Menschwerdung Gottes freut und Grund zur Freude hat.

Ihr Ralf Vogel

 

Letzte Änderung amFreitag, 13 Mai 2016 10:15