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Auf Ostern zu...

Ostern Weltzien k14227wDa zieht und zerrt etwas an mir…  Mein Blick wandert hinaus, die Knospen schwellen, das Gras wächst schon wieder, das Unkraut auch, die Luft ist mild und es ist als ob ein leiser Klang in der Luft liegt.
Die Erwartung surrt wie die ersten Bienen, die sich schon mutig auf den Weg machen. Es drängt uns auf Ostern zu, der großen Bühne göttlicher Kraft!

Gott erträgt die Ohnmacht, das Sterben seines Sohnes und erweist seine Schöpferkraft in der Auferstehung. „Die Liebe ist stärker als der Tod!“, so steht es im Hohen Lied der Liebe in der hebräischen Bibel. Und nun liebe Leserinnen und Leser sind wir aufgefordert Gott zu folgen, uns einzulassen auf diesen Weg, jedes Jahr wieder von neuem. Weil wir jedes Jahr und im Grunde täglich, die Erinnerung brauchen, dass in dieser göttlichen Kraft der Liebe Auferstehung geschieht. Zu keiner Jahreszeit ist das deutlicher erlebbar als im Frühjahr, wenn das bunte pralle Leben in die Natur zurückkehrt. Wenn sich die Blütenblätter entfalten, die Vögel zwitschernd ihre Partner suchen und die in der Erde verborgenen Samen vergehen um erste Wurzeln und Blätter treiben. „…wenn das Weizenkorn nicht in die Erde fällt und vergeht, bleibt es allein; wenn es aber erstirbt bringt es viel Frucht…“ Joh 12,24

Wir sind eingeladen, jedes Jahr aufs Neue, die Entfaltung der Lebenskräfte zu erleben. Aber nicht nur als Zuschauer, sondern wir selbst sind immer wieder aufgefordert uns selbst zu entfalten. Uns selbst wahrzunehmen als Teil dieses großen Prozesses. Uns als lebendig wahrzunehmen, mit all unseren verschiedenen Gaben und Fähigkeiten, mit denen wir unser Leben aber auch das Gemeindeleben mitgestalten können. Todesangst steckt uns Menschen in den Knochen und belastet immer wieder unsere Seelen, auch wenn wir meinen wir könnten die Gedanken an den Tod verschieben auf spätere Zeiten. Der Tod ist unser Begleiter, er geht eigentlich immer neben uns her, ab und zu flüstert er uns deutlich ins Ohr, ich bin da. An Ostern schaue ich ihm ins Auge, ich sehe das Kreuz an dem Jesus zu Tode gequält wurde und schaue auf die sprießenden Weizenbeete, die die Kinder eingesät haben. Und ich erzähle meiner Angst von dieser großen Hoffnung des Lebens, von der Auferstehung der Toten. Das folgende Gedicht bekam ich eines Tage von einem schwer erkrankten Freund zugesteckt:

Augenblicke
Gibt es
Des Einbruchs
Wo du die Kruste
Des Halbbetäubten
Durchstößt
Wo du rührst
An das Herz der Dinge

In diesen Augenblicken
Erlebst du
Ahnend
Leben

Ingrid Haushofer

Mögen unsere Gemeinderäume und Kirchen solche Orte des Lebens sein, an denen wir uns entfalten können, uns einbringen können mit unseren Fähigkeiten und Wünschen. Wo wir uns erleben können als einen Teil einer lebendigen Gemeinschaft, die das Leben und das Sterben schützt und auf diesem Boden immer wieder wächst. Ich möchte das Meine gerne dazu beitragen!

Ihre Pfarrerin Friederike Weltzien

 

Letzte Änderung amFreitag, 13 Mai 2016 10:07