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Pult in der Petruskirche

Ein neues Stehpult für die Petruskirche

Lesepult mini„Den Worten Flügel geben“

Auf den ersten Blick sieht das Holzobjekt in der Obertürkheimer Petruskirche wie ein Stehpult aus. Das ist nicht falsch, wird dem Werk aber nicht ganz gerecht.

Denn der besondere Reiz liegt im Detail: So besorgte sich der Erbauer, der Ex-Obertürkheimer Kunsthandwerker Wolfram Leinss, als erstes den Stamm eines alten Kirschbaums von Rüderner Gemarkung und ließ den Rohling, der völlig frei von Astlöchern war, in fünf Zentimeter starke Planken schneiden. Anschließend bearbeitete er die wunderschön gemaserten Bohlen in seiner Werkstatt im oberschwäbischen Ort Wald bei Pfullendorf sorgfältig mit dem Handhobel und mit feinkörnigem Schleifpapier. Dann brachte er eine genial ausgetüftelte Höhenverstellung mit innenliegender Führung an, verdübelte Ständer und Lesebord und verschraubte den Sockel. Zum Schluss behandelte Wolfram Leinss sein Werk mit Leinöl und vergaß auch nicht, im oberen Abschnitt kleine Vertiefungen für Kerzen anzubringen sowie versteckte Rollen am Sockel, um das Pult leichter bewegen zu können.

Das Ergebnis ist ein perfekt durchdachtes ebenso stabiles wie filigranes Kunstwerk von ganz eigentümlicher Art, schlicht und grandios zugleich. Und mit etwas Phantasie kann man das Ständerpaar als zwei Flügel interpretieren, was ganz im Sinne des Künstlers Wolfram Leinss liegt: "möge das Stück den Worten Flügel geben". / ts

 

Letzte Änderung amDienstag, 03 Mai 2016 16:40