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Zum Abschied von Pfarrerin Margarete Goth

So ein rostiges Sägeblatt, das zackt sich da kunstvoll himmelwärts, als Jakobsleiter oder Engelskleid. Es sind Überreste einer anderen Zeit, unbrauchbar gewordene Werkzeuge, als es noch keine andere Möglichkeit gab, als mit der Hand die Weinberge zu bearbeiten. Wenn Frau Goth sie in die Hände nimmt, dann wird da was draus. Und nicht nur mit den rostigen Drähten zaubert sie Kunstwerke, auch sonst weiß man, wenn Frau Goth etwas in die Hände nimmt, dann wird was draus. Und sie hat viel in die Hand genommen in ihren Uhlbacher Jahren!

Ich habe nur die letzten drei Jahre davon miterlebt. Meine erste Begegnung fand aber schon vorher statt, ich war damals eingeladen zu einem Vortrag, zum Thema: „Die Situation der arabischen Christen“, um die Gemeinde auf hohen Besuch vorzubereiten, auf den Bischof Munib Younan aus Palästina, der als Präsident des Lutherischen Weltbundes das idyllische Weindorf Uhlbach besuchen kam. Ich weiß noch, wie ich staunend die Räume des gerade fertig gestellten Gemeindehauses betrat. Ich weiß nicht, was mich mehr beeindruckte, die Aussicht oder die Architektur, wahrscheinlich beides in dieser einzigartigen Kombination. „Das hat mich viel Kraft und Nerven gekostet“, sagte Frau Goth damals. Inzwischen ist es mit Leben gefüllt. Es ist ein echtes Zentrum der Gemeinde geworden, auch mit den Angeboten der Begegnungsstätte. Da wird getrommelt und genäht, da wird gesungen und getanzt, da werden Konzerte aufgeführt und traumhafte Feste gefeiert. Fünf Jahre Gemeindezentrum, war ein solches Fest, am 9.9.2014. Ich werde es nicht vergessen, der Vollmond stand über der Rotenbergkapelle und schien auf die Terrasse des Gemeindehauses herunter. Damals spielte unser Schuldekan Uwe Böhm mit seiner Band zum Tanz auf. Das sind Momente des Glücks, dachte ich damals, und erinnerte mich an ihren Ausspruch von der Kraft und den Nerven, die auf der Strecke geblieben waren. Das sind wohl auch Momente, in denen man weiß, dass es sich gelohnt hat.

Vehement kann sie sein, meine liebe Kollegin, ich war am Anfang jedes Mal wieder erstaunt, wenn ich lernen musste, dass es in Uhlbach unumstößliche Regeln und Gesetze gab, die Frau Goth immer verteidigte. So sorgt sie für Klarheit und das gibt allen Sicherheit. Diese Sicherheit muss sich unsere Schwestergemeinde nun erhalten, durch die Vakanzzeit hindurch und ich bin gewiss, sie wird sich auch daran halten können. Ich denke, dass in der Gemeinde noch lange die prägende Hand von Margarete Goth spürbar sein wird. Ihr Lachen und ihre Farben, ihr Engagement und ihr Stolz auf „ihre Uhlbacher!“ Das wird uns in lebendiger Erinnerung bleiben. Und wir werden uns in nächster Zeit immer wieder dankbar daran erinnern! Vielen Dank für alle Initiative und die wertvollen Versuche und Anstöße zur Zusammenarbeit, in unseren Gemeinden Uhlbach und Obertürkheim.

Nun wirst Du, liebe Margarete, alte Werkzeuge in Balingen sammeln gehen, sie werden unter Deinen Händen in Kunstwerke verwandelt werden und Du wirst die dortige Gemeindearbeit in Deine erfahrenen Hände nehmen. Ganz sicher dürfen sich die Balinger da auf das ein oder andere Kunststück von Dir freuen. Wir wünschen Dir von ganzem Herzen Gottes Segen für diesen Abschied und den Neuanfang!

Im Namen des Kirchengemeinderates in Obertürkheim und vieler Gemeinde­glieder!
Deine Friederike

Letzte Änderung amMontag, 13 Februar 2017 11:27